Reisedoku : Strothy goes Ape!

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SchwachSuper 

Die SOCC hats ja schon vor Wochen mitbekommen: Ich werde in Brasilien den einzig verbleibenden Project-Ape-Cache suchen gehen. Eine Dienstreise "um die Ecke" machte es möglich. Und so trat dann auch die SOCC-Fahne ihre erste Reise auf einen anderen Kontinent an.

Circa 5 Wochen vor Abflug oder Strothi goes Ape

Eine glückliche Fügung wollte es unbedingt, dass mich die Arbeit Richtung Argentinien bringen sollte... Der Geocacher-Instinkt in mir schlug sofort ALARM! Argentinien ist nicht weit von Brasilien weg, da gibt es diesen einen und letzten Cache! Warum eigentlich nicht? Ja, WARUM eigentlich nicht? Also wurde kurzerhand mein Vorgesetzter informiert (in der Firma wissen alle, dass ich dieses "Hobby" habe und auch recht gut auslebe)! ;-) "Du, da gibt es diesen 'einen' Cache in Brasilien, wäre es möglich, einen kleinen Umweg zurück zu machen? Ich häng einfach ein bisschen Urlaub dran!"

Es dauerte echt nicht lange bis dieses "Ist okay, hau ab und mach das Ding!" über seine Lippen kam. Wie jetzt? Ist okay? Diese Worte werden mich noch lange begleiten...

Strothi goes Ape war geboren und fix die Pocket Querys erstellt. Es dauerte trotzdem verdammt lange bis ich begriff, was da eigentlich abging. Wilde Tiere gibt es da? Na gut, Schlangen und Spinnen (ich komme später nochmal auf die wilden Tiere zurück!) ... und dagegen gibt es Schutzausrüstung! Also wurde kurzerhand die Strothmine eingepackt und diverse Outdoor-Shops angefahren. Wo willst Du hin? Regenwald? Ui Ui Ui... gefährlich. Da brauchst Du auf jeden Fall einen Schlangenschutz in Form von Gamaschen, da waren sich eigentlich alle Verkäufer einig. Nur gab es da ein Problem: Ich selbst bin für mein Gewicht ein bisschen zu klein und passe nicht wirklich in jede erdenkliche Form der auf dieser Welt verfügbaren Gamaschen... aber am Arm sehen die Dinger eigentlich auch ganz gut aus, bringen nur nichts! ;-) Also wurde kurzerhand entschieden, auf die Gamaschen zu verzichten und ein bisschen besser aufzupassen, wohin ich treten sollte!!!

Ich kann es jetzt schon kaum erwarten loszulegen und erzähle praktisch jedem von meinem Vorhaben…

Circa ab der 4. Woche fange ich an, auf diversen Community-Seiten (Facebook & Co.) eine Art Countdown zu posten… mit anderen Worten: ich kann es kaum erwarten!!!


Tag 1: Abflug nach Buenos Aires

14 Stunden Flugzeit – Gott sei Dank bin ich fleißiger Abonnent des Geocaching-Magazins und hatte für die Überbrückung der Zeit ein paar Hefte vorsorglich mitgenommen… Auf den Flug brauch ich hier glaub ich nicht wirklich einzugehen, war halt ein bisschen lang und eng… was macht man nicht so wirklich alles für einen Cache? ;-)

Die Ankunft war von der Firma organisiert und so empfing mich am Airport in Buenos Aires mein Kontaktmann Guillermo, der mich auf direktem Wege ins Hotel fuhr und noch ein paar kleine Tipps mit auf den Weg gab… Bitte pass ein bisschen auf, wo du hingehst, deine Geldbörse, einfach alles… da war es wieder und wieder… Jeder meiner Bekannten, dem ich erzählte, wo es hinging, sagte mir, ich müsse unbedingt auf mich und vor allem auf die Geldbörse etc. aufpassen.

Im Hotel angekommen und eingecheckt, wurde sofort das GPS gestartet… Hm, 2,5 Kilometer zum nächsten Cache – auf geht´s! Den Warnungen zum Trotz und um meine Neugier zu befriedigen, habe ich trotzdem meinen Cache-Rucksack geschultert, mein GPS offen am Rucksackriemen befestigt und vor allem mein Handy offen in der Hand gehalten. Ich wollte halt wissen, was passiert. Ich bin auf der „ellenlangen“ Strecke durch ein  Viertel  gewandert, habe den Cache geloggt und wieder zurück… Was soll ich sagen – passiert ist rein gar nichts!!! Nun gut, Buenos Aires ist nicht unbedingt die Stadt auf der Welt, wo ich mal wohnen möchte. Vielleicht ist es in der Nacht auch viel gefährlicher da draußen??? Wer weiß – ich jedenfalls habe die Stadt sehr intensiv genossen und  die Menschen dort als nett und hilfsbereit erlebt!

 

Tag 2 & 3 in Buenos Aires

Die Tage sind eigentlich recht schnell erklärt. Vor Ort ging es trotz der über 30° und dem Arbeiten direkt hinter einer Glaswand sehr schnell voran, sodass noch ein bisschen Zeit blieb, um ein paar Fotos mit der SOCC-Fahne zu schießen. ;-)

Anschließend wurde ich noch auf ein kleines Essen eingeladen, welches ich mir natürlich nicht nehmen ließ! Als Vorspeise gab es typisch argentinisch gebratene Blutwurst und als Hauptattraktion ein T-BONE Steak!!!

 

Tag 4 in Buenos Aires – Abflug nach Brasilien Sao Paulo

Zeit zum Abschiednehmen blieb mir nicht viel, da ich schon um 10 Uhr am Flughafen sein musste, um meinen Flug von Buenos Aires nach Sao Paulo nicht zu verpassen. Der Flug selbst war recht angenehm und blieb ohne nennenswerte Probleme. Eine witzige Anekdote war noch, dass ich mir extra für diesen Flug die neueste Dosenfischer-Konserve runtergeladen hatte, in der zufälligerweise über einen TB berichtet wurde, der rein zufällig jetzt im "Mission 4 : Southern Bowl" liegt und unbedingt wieder heim kommen sollte. Das war ein Fall für mich – und als hilfsbereiter Geocacher hilft man nun mal! Ehrensache – den nehme ich mit!

Die Ankunft in Sao Paulo ging recht gut vonstatten, die Sonne brannte noch heißer als in Buenos Aires vom Himmel und der Transfer-Bus zum Hotel stand direkt im Frontbereich des Flughafens, also schnell die Reservierung vorgezeigt und eingestiegen. Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel fährt man zwangsweise direkt an einer Favela vorbei und es ist beklemmend zu sehen, wie so manche Menschen heutzutage noch hausen müssen! Und ich mach mir auf der Fahrt Sorgen, ob ich wohl auch eine funktionierende W-Lan Verbindung hinbekomme, um mit der Strothmine zu Hause noch ein letztes Mal zu skypen, bevor es in den Regenwald geht…

Im Hotel angekommen, habe ich noch einen kleinen Snack im Restaurant zu mir nehmen können, bevor es zum Skypen aufs Zimmer ging. Ansonsten war alles recht unspektakulär, war ein bisschen geschafft vom Flug und wollte schlafen, um mich für die harte Arbeit, die mir da bevorsteht noch auszuruhen…


 

Tag 5 Anreise zum Intervales State Park

Vom Hotel aus ging es via Transfer wieder zurück zum Airport, von wo aus es via Transfer zur Mietwagen Station ging, um endlich meinen eigenen Transfer zum Intervales State Park in Angriff zu nehmen. Was soll ich sagen, gebucht hatte ich im Vorfeld der Reise einen Wagen der Golf-Klasse… bekommen habe ich einen kleinen und schnuckeligen Fiat Uno. Die Dame hinter dem Tresen vertröstete mich mit den Worten, dass im Moment kein anderes Auto zur Verfügung steht. Ich erkläre ihr nochmal, wo ich hin möchte (Dirt Road etc…) aber sie kennt noch nicht einmal den Ort und verabschiedet mich mit einem freundlichem Lächeln.

Also machen wir das Beste draus.

Kurz ums Auto rum, alles in Ordnung. Gepäck verstaut (Ich hatte Gott sei Dank den Koffer im Hotel lassen können und nur das nötigste im Cacherucksack verstaut!). Also, Schlüssel rumdrehen und los ging die laut Navi 3-stündige Fahrt nach Capao Bonito.

Kennt ihr das? Ihr seid so ziemlich auf alles und jeden im Vorfeld vorbereitet und dann geht trotzdem alles schief? ;-) Nach circa 2 Stunden war ich dann endlich aus dem Verkehr in Sao Paulo entkommen und fuhr auf die Autobahn… so viel zur guten Planung. Nicht nur das! Unterwegs so ca. 20 Kilometer vor Capao Bonito gibt es sogar einen Powertrail, den ich dann nicht mehr gewagt habe anzufahren, da mir so ein komisches Schleifen und sehr starke Geräuschentwicklung seitens des Motors entgegen kamen. ICH WOLLTE EINFACH NUR NOCH HEIL ANKOMMEN!

Gesagt & getan : In Capao Bonito angekommen, wusste ich ungefähr (Google Maps sei Dank) aus dem Kopf heraus, wo ich hin muss. Die besagte Stelle (Kreisverkehr!) war schnell gefunden und prompt stand ich mit meinem aus dem letzten Loch pfeifenden Fiat Uno auch schon auf der besagten Dirt Road, die im Übrigen noch viel dirtiger ist als es ausschaut, wenn es geregnet haben sollte. Ein kurzer Blick auf mein GPS Gerät ließ mich fast verzweifeln… 20 Kilometer bis zum Park-Eingang… wenn das mal gutgeht?

Ich weiß nicht genau wie wir das gemacht haben, aber der Kleine und ich haben die Tour mehr oder weniger auch noch hinter uns gebracht und die Blicke des Pförtners vor Ort werde ich wohl glaube ich nicht mehr so schnell vergessen. Da stand ein European Guy mit quietschendem Auto vor der Schranke und begehrte um Einlass! ;-)

Es waren statt der 3 Stunden zum Park so ungefähr 5,5 Stunden.

Dem Pförtner selbst war mein Ziel klar und deutlich erklärt… ich habe für 2 Nächte eine Lodge gebucht und möchte zu Junior. Worauf dieser auch prompt die Schranke aufmachte und mich und mein Cachemobil passieren ließ.

An der Rezeption des Parks angekommen, wollte ich natürlich sofort einchecken und ein freundliches „Hello I'm Sascha from Germany and I want to check in“ brachte nur verdutze Gesichter zu Tage… hier spricht keiner Englisch und erst als ich den Namen Junior ins Spiel brachte, wurde eifrig der Telefonhörer zur Hand genommen, sodass wenig später Junior vor mir stand! (Ich weiß bis heute nicht wieso, aber der Name Junior klingt in meinen Ohren nach einem südländisch aussehendem Typen, umso überraschter war ich, dass da plötzlich ein kleines weißes Männchen vor mir stand!) Nichts desto trotz konnte Junior perfekt zwischen mir und der Rezeption vermitteln, sodass ich wenig später den Schlüssel für mein Quartier in den Händen hielt.

Ob ich denn heute noch los möchte? Hm, für die nächsten 2 Tage war ein heftiges Gewitter angesagt und so fragte ich, ob es denn noch machbar sei? Machbar schon, doch wenn ich einen Tour-Guide haben möchte, sollte ich bis morgen warten, da jetzt alle nach Hause gehen. Also wurde das Projekt "Strothi goes Ape" auf den nächsten Morgen nach dem Frühstück gelegt.

Nachdem ich mein Zimmer bezogen und geduscht hatte, beschloss ich, mir noch ein gemütliches Abendessen in der Kantine zu genehmigen, was sich aufgrund der Entfernungen im Park selbst als schwieriges Unterfangen heraus stellen sollte, da der Motor vom Cachemobil irgendwie immer lauter wurde. Aber nichts desto trotz sollte es mir wieder einmal gelingen, die Sprachbarrieren auf die Seite zu schieben, um den netten Damen von der Küche zu erklären, was ich denn genau haben wollte… ;-)Ein kurzer Blick auf das GPS Gerät verriet mir sogar noch, dass da ein Cache in ungefähr 70 Metern Entfernung liegen sollte. Also nichts wie hin!

Die Nacht selbst war extrem heftig, da ich den Regenwald und seine Geräusche bisher nur aus dem Fernseher kannte und umso überraschter war ich, dass die Geräusche noch viel lauter direkt vor meiner Türe abgingen. Es war eine unvergessliche Nacht mitten im Regenwald!


 

Tag 6 Intervales State Park oder auch die Reise ins Glück

Nach dem Frühstück ging es wieder mit dem Cachemobil schnurstracks zur Rezeption wo mich Junior schon mit einem breiten Grinsen empfing… das Auto hört sich nicht wirklich gut an, aber er würde sich jetzt um meinen Guide kümmern, da er selbst aufgrund von Rückenschmerzen leider nicht mehr mit kann.

Kurze Zeit später stand dann Mr. Luis vor mir und erklärte mir, dass wir hinter der Pica Pau Lodge den Weg hoch müssen… gesagt und getan befanden wir uns wenig später auf einem kleinen Trampelpfad quer durch den brasilianischen Regenwald. Nun gut dachte ich mir, wenn es immer den Weg entlang ging, hätte ich das auch alleine gekonnt!

Doch plötzlich hielt Mr. Luis inne und deutete ca. 900 Meter vom Cache weg auf ein riesiges Gebüsch – da müssen wir jetzt rein. Was? Da??? Plötzlich war ich verdammt froh, Mr. Luis bei mir zu haben, da es schon nach ungefähr 10 Metern zum ersten Hindernis kam, welches kurzerhand der Machete von Mr. Luis weichen musste. Die Machete selbst leistete auf den folgenden 890 Metern zum Cache extrem viel Arbeit und ich staunte nicht schlecht, was so ein kleines Messerchen alles zerschneiden kann.

Die letzten 50 Meter zum Cache selbst überkam mich plötzlich so ein seltsames Gefühl, ähnlich dem eines FTF Fundes nur viel, viel intensiver… hier stand ich nun ihm direkt gegenüber… dem einen und letzten Cache der Serie… Ich! Stehe hier! Direkt am Cache! Ich glaube bis heute noch, dass mich ganz Brasilien jubeln gehört hat! ;-)

Ich zog zuerst die Travelbugs Beutel und dann in Ruhe das Logbuch aus der riesigen Ammobox. Ich hielt das Logbuch des Ape Caches direkt vor mir in den Händen und begann, mich mit zittriger Schrift einzutragen. Ein paar Fotos später (SOCC-Fahne, TB´s, Projekt 2013 und mich selbst) war es nun soweit.

Strothi goes Ape war geschafft!

Auf dem Rückweg selbst konnte ich noch ein paar Bilder von den gefährlichen Tierarten hier im Park schießen… Wenn denn selbst auch welche da gewesen wären. Klitschnass von der hohen Luftfeuchtigkeit (und meiner Angst vor Spinnen!!!) ging es im Entenmarsch wieder zurück zur Rezeption, wo schon Junior auf mich wartete… Wie es denn gewesen wäre und ob ich auch die gefährlichen Tiere gesehen hätte? Ne du, Schlangen und Spinnen konnten wir jetzt nicht wirklich ausmachen! Schlangen und Spinnen? Das sind doch unsere Haustiere hier… ich rede mehr von dem Ocelot hier im Park! Eine Raubkatze in Katzengröße?… Oder dem Puma… in Größe eines Hundes? Oder hast du vielleicht den Jaguar gesehen… mit seinen 200 Kilo? Plötzlich war ich zurück auf dem Boden der Tatsachen und verdammt froh, Mr. Luis mit seiner Machete dabei gehabt zu haben!!!

Nach einem kurzen Plausch mit Junior konnte ich via der Rezeption einen Kontakt zur Strothmine im Reisebüro aufnehmen, um ihr zu erklären, dass das Auto definitiv kaputt ist und wie ich jetzt vorgehen sollte. Nach weiteren 10 Minuten folgte ein 2. Anruf nach Deutschland mit der ernüchternden Erklärung, dass es rund um Capao Bonito keine weitere Mietwagenstation gäbe und ich mich bitte umgehend zurück nach Sao Paulo zur Station machen sollte, das Hotel weiß Bescheid und hat eine Nacht eher noch Platz für mich.

So blieb mein Aufenthalt im Intervales State Park zwar nur von kurzer Dauer, aber diesen einen werde ich mein Leben lang nicht vergessen! (Ich möchte mich hier an dieser Stelle nochmal bei allen im Intervales State Park herzlich bedanken, dass ich wenigstens für einen Tag und eine Nacht ein Teil von euch sein durfte!!!) Kurzum wurde nochmal geduscht und das Cachemobil reisebereit gemacht, Junior besucht und verabschiedet, um mich dann mit einem quietschenden Cachemobil Richtung Sao Paulo zu verabschieden.

Circa 100 Kilometer von Sao Paulo entfernt, zwang mich das Cachemobil zu einer kleinen Pause, da es ein wenig Durst hatte. Also wurde der Kleine liebevoll aufgetankt und auf dem Parkplatz noch eine Zigarette geraucht bis die Fahrt endlich weiter gehen konnte – doch was war das? Im Display leuchtete plötzlich eine große rote Batterie auf!!! So mein Freund, solange dein Motor Geräusche von sich gibt, solange bewegst du dich in Richtung Sao Paulo! BASTA! Und wenig später fanden wir uns beide wieder on the road again… ;-)


 

Die Panne oder auch die mobile Rettungssäule

Das ging auch bis zum kurzzeitigen stehenden Verkehr in Sao Paulo gut, bis plötzlich dieser „Tropensturm“ über uns hinweg fegte. Da es zu regnen begann, beschloss ich, das Fenster zu schließen – doch dieses hatte sich zuerst verabschiedet und der schwunghafte Druck auf die Aufwärtstaste des Fensters blieb ohne Folgen. Na toll – auch das noch! Mitten in der Rush Hour von Sao Paulo im Regen bei offenem Fenster… doch es sollte noch ein bisschen schlimmer kommen, da ich mitten auf der 3. von 4 Spuren der Autobahn plötzlich keine Sicht mehr nach vorne hatte, da sich der Front Scheibenwischer auch entschied, seinen Dienst zu quittieren, sodass ich plötzlich gezwungen war, einen kleinen aber feinen „Blindflug“ über die Autobahn von Sao Paulo zu machen.

Ich versuchte wenigstens meinen „Dickschädel“ durch das halb geöffnete Fenster zu strecken, um ein wenig besser sehen zu können, was mir leider verwehrt blieb. Da kommt eine Brücke… wenn ich da drunter aufgrund des Staus stehen bleibe,  kann ich wenigstens kurzzeitig ein bisschen besser sehen. Der Regen hörte unter der Brücke kurzzeitig auf und ich erschrak: Da waren quer über die Fahrbahnen überall Menschen verteilt, die ich noch gekonnt im Slalom umfahren konnte. Im Blickwinkel konnte ich auf der linken Spur noch eine Nothaltebucht ausmachen und diese direkt anfahren.

Kaum auf der Haltebucht angekommen, ging auch das Cachemobil prompt komplett aus! Ende! Aus! Vorbei!

Die Fahrt nahm ein gewaltiges und plötzliches Ende…

Was als erstes folgte, war der beherzte Griff in die Ablage, wo die Dokumente der Mietwagenstation lagen und ein weiterer zum Handy… da war es wieder: “Hello, I'm Sascha and I have a little problem!“ Ich kannte dieses berühmte und lange Schweigen schon von vorher „ohhh un momento“ kam zurück und ich wurde kurzerhand in die Warteschleife geschickt, wo es einen Moment dauerte bis eine weitere Stimme im gebrochenen Englisch mir versuchte klar zu machen, was sie von mir bräuchte… Der Name… Das Kennzeichen… Geht am Auto auch wirklich nichts mehr?... Gegenwärtige Position… Meine Position? Irgendwo auf der Autobahn in Sao Paulo brachte nicht wirklich was. Moment! Da! Ein Ausfahrtsschild!!! 600 Meter vor der Ausfahrt nach Santa Irgendwo und Via Drumherum (die genauen Orte kenne ich leider nicht mehr). Ah, alles klar hieß es nun… wir kontaktieren jetzt Ihre Station, bitte rufen Sie in spätestens 30 Minuten noch einmal bei uns an. Dann können wir Ihnen sagen, was nun genau los ist.

Ich bedankte mich und legte auf, stellte den Wecker meines Handys und beschloss, das Beste aus meiner Wartezeit zu machen. Erst mal eine rauchen…schließlich hatte es aufgehört zu regnen… also Tür auf und raus auf den Standstreifen. Plötzlich konnte ich erkennen, woher die Menschen unter der Brücke alle waren. Es sind Verkäufer, die es sich am Standstreifen der Autobahn zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, dem Fahrer auch schon mal eine Cola auf den 2. Streifen zu bringen während der Verkehr munter weiter läuft!!! Mir fiel dazu nichts mehr ein, überlegte nur kurz, ob genau dieses bei uns in Deutschland auch möglich sei? So auf der A8 in Höhe des Bernauer Berges?

Die Zeit ging Gott sei Dank schnell rum, sodass ich mich für das 2. Telefonat wieder ins Auto setzte

Tut…..tut……tut….

“Hello, I'm Sascha und blablabla…“ dafür bekam ich auch die direkte Antwort : Ah, ok. Sie hatten schon einmal angerufen, oder? Jawohl, und ich sollte nach 30 Minuten nochmal zurückrufen… Ja wissen Sie, das Problem ist, das die Kollegin die Ihren Fall aufgenommen hat nun nicht mehr im Haus ist!!! Aber ich bin jetzt für Sie da und helfe Ihnen. Okay, und wie geht es jetzt weiter? Zuerst brauche ich mal Ihren Namen… das Kennzeichen… geht am Auto auch wirklich nichts mehr? Gegenwärtige Position? Selbst GPS Koordinaten habe ich angeboten, doch damit konnte die Dame am anderen Ende leider nichts anfangen. Geocaching ist halt nicht so weit verbreitet hier mitten in Brasilien…Sie notierte noch meine Handynummer, um im Erfolgsfall direkt zurückrufen zu können und bevor ich auflegte, ließ ich mir noch den Namen der netten Dame sowie ihre direkte Durchwahl geben…

Nach ungefähr 15 Minuten fing mein Handy an zu läuten… hier ist die Mietwagenstation und leider gibt es ein Problem…(wieder ein Schweigen!)… Es ist Karneval in Sao Paulo! Und Ihre Position… wir können Sie leider nicht lokalisieren, da Sie keine brasilianische Nummer besitzen. In dem Moment wurde mir zuerst ein wenig übel, bevor ich am Steuer meines Cachemobils ohnmächtig wurde… Spaß beiseite, der Mensch wächst in Extremsituationen über sich hinaus, so hatte ich schon in Gedanken jedes mögliche Szenario durchgespielt und mir einen genialen Notfallplan zurecht gelegt. Ich kann meine Position nicht durchgeben… Sie kann mich nicht orten… Es gab nur einen, der jetzt noch helfen konnte… DER STRASSENVERKÄUFER!

Einen Moment, hier stehen so lustige Lebensmüde herum, die können Ihnen sicher und ohne Verständigungsprobleme erklären, wo ich hier bin. Also raus aus dem Auto und hin zum Verkäufer, der jetzt in meinen Augen zur mobilen Notrufrettungssäule wurde… Was soll ich sagen, der Plan ging voll auf! „Alles klar, wir haben Sie jetzt!“ rief die Dame am anderen Ende… aber wir haben da noch ein kleines Problem… (Schweigen)… wir haben den Abschleppwagen kontaktiert und der ist in höchstens 3 Stunden bei Ihnen… der Verkehr und außerdem ist Karneval!

3 Stunden Wartezeit! Was machst du jetzt? Na gut, das Beste daraus… Verhungern und verdursten kannst du nicht. Sind ja genug Verkäufer da ;-) Ich beschloss, mir erst einmal etwas zu trinken zu besorgen und gab dem netten Herrn auch gleich ein noch netteres Trinkgeld für die Hilfe, die er geleistet hatte. Wir kamen so ins Gespräch und hatten die folgenden 3 Stunden eine Menge Spaß, nebenbei wurde mir noch gezeigt, wo ich denn überhaupt genau liegen geblieben bin… direkt neben dem Sambadrom und wir fingen gemeinsam an mitten auf der Autobahn in Sao Paulo mit mehreren Verkäufern im Regen Samba zu tanzen!!! Nebenbei wollte ich noch schnell ein paar Sachen aus dem Auto holen, als plötzlich direkt neben mir ein Auto anhielt und 2 junge Kerle mir Geld entgegen hielten… sie brauchen ganz dringend 1-2 Zigaretten… hatten gesehen, dass ich rauche und gedacht, da halten wir mal einfach schnell an! So durfte ich mich kurzerhand noch schnell selbst zum Autobahn-Aushilfs-Verkäufer ernennen und tat meine oberste Pflicht: Zigaretten verkaufen auf der Autobahn in Sao Paulo…

Es dauerte wirklich 3 Stunden bis plötzlich ein Abschleppwagen mit Blinken und Hupen heran fuhr… you Sascha? Yes Sir… auf geht's. Der Kleine wurde aufgebockt, ich nutzte die Zeit, um mich bei meinen neuen Freunden und Lebensrettern zu verabschieden… stieg in den Abschleppwagen und fuhr in den dunklen Nachthimmel von Sao Paulo dem Hotel entgegen…

Vielen lieben Dank, Brasilien! Ich habe dich in der kurzen Zeit lieben gelernt und lieben dürfen!

DANKE

… and I'm Sascha…

 

 

Kommentare   

 
# Nuffy66 2013-02-24 14:55
Hi, Sascha,

klasse Bericht. Hat sehr viel Spaß gemacht, ihn zu lesen. Da hast Du ja wirklich was erlebt.

@Alle: Wer immer solche Berichte hat: Her damit!

Viele Grüße,
Nuffy

P.S.: Wir haben jetzt eine Bewertungsfunkt ion für die Artikel auf der Website. Da geb ich doch hier gleich mal die Höchstpunktzahl .
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# Wanderratte67 2013-02-25 20:43
Toller Bericht, Sascha. Und auf dem obersten Bild bei Tag 5 ist ganz hinten rechts zwischen den Bäumen ganz bestimmt ein Jaguar zu sehen! ;-)
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# Harley-Franz 2013-03-03 12:24
Hallo Sascha,
ein wirklich sehr toller Bericht den du geschrieben hast von den ganzen Sachen die du da drüben erlebt hast.
Schade das ich nicht mit fliegen konnte, hätte mir bestimmt auch gefallen.

Viele Grüße Franz
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